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Blogwichtelbeitrag zum NaNoWriMo

Was für ein schönes Neujahrsgeschenk für mein Blog: Im Rahmen der Texttreff-Blogwichtel-Aktion hat mir Nina Bodenlosz einen Beitrag über den NaNoWriMo geschenkt.
Blogwichteln? NaNoWriMo?
Nun, im besten Netzwerk der Welt bewichtelt man sich zu Weihnachten mit Blogbeiträgen. Jede, die an der Aktion teilnimmt, wird einem Blog zugelost, für das sie etwas schreibt, und bekommt dafür von einer anderen Bloggerin einen Beitrag geschenkt. Da wir alle viel zu tun haben, wichteln wir bis in den Januar hinein.
Was es mit dem NaNoWriMo auf sich hat und was er für sie bedeutet, erzählt Nina Bodenlosz in ihrem Gastbeitrag:

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Warum ich den November liebe

Im November hat Schreiben die höchste Priorität. Im Alltag schiebt sich anderes in den Vordergrund, das dringlich, unaufschiebbar und notwendig scheint. Schreiben, vor allem das Schreiben an sich und für mich, fristet oft ein Nischendasein und findet spätnachts statt, wenn mir schon die Augen zufallen. Doch nicht im November. Dann nehme ich meine jährliche Schreibkur, nach der ich wieder weiß, wer ich bin und was mir wichtig ist.

Warum ausgerechnet im November? Weil dann Hundertausende auf der ganzen Welt mit mir schreiben. Im November ist „National Novel Writing Month“ – wer mitmacht, schreibt in dreißig Tagen einen Roman mit mindestens fünfzigtausend Wörtern.

Warum machen wir das? Weil wir einen Roman schreiben wollen. Es gibt keinen anderen Grund. Am Ende des Monats habe ich einen Entwurf geschrieben, eine Geschichte, die einen Anfang und ein Ende hat und vielleicht eines Tages nach vielen Stunden Überarbeitung mit Genuss gelesen werden kann. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg und nicht jeder NaNoWriMo-Roman wird ihn gehen.

Ist die viele Arbeit im November dann nicht umsonst gewesen? Einen Roman zu schreiben ist niemals vergeblich. Mit jedem Wort gehe ich weiter auf meinem Weg als Autorin. Das Schreiben eines Romans ist eine komplexe Kunst, die viele Jahre der Übung erfordert und sich eben durch Schreiben weiterentwickelt.

Außerdem kann Schreiben zwar die Hölle sein, aber wer jemals im Flow, im Fluss, geschrieben hat, weiß, dass das eine einzigartige Erfahrung ist. Im Flow vergesse ich die Zeit, meine Zweifel und Unsicherheit, ich bin eins mit meinem Tun und mir gewiss, das Richtige und Wichtige zu tun. Im Flow schreibe ich nicht, um ein Ergebnis zu erzielen oder anerkannt zu werden; im Flow schreibe ich, um zu schreiben. Das ist für mich die Bedeutung von Kunst.

Könnte ich das nicht auch ohne Regeln haben? Natürlich könnte ich jeden Tag im Flow schreiben, aber ich kann es nicht. Zu oft haben meine Zweifel Oberhand. Besonders hindern mich meine Perfektionsansprüche; wenn ich nicht gut schreibe, sollte ich es sein lassen, sage ich mir. Doch was heißt „gut schreiben“? Woher weiß ich, was gut ist? Kann ich das während des Prozesses überhaupt erkennen? Im Labyrinth der Selbstkritik reibt sich mein Schreiben auf.

Mir wurde beigebracht, dass Schreiben ein mühevoller Prozess zu sein hat. Kunst muss harte Arbeit sein, man muss leiden, sich quälen, vielleicht zu viel trinken, eine Egomanin sein und früh sterben. Und eigentlich müsste ich ein Genie sein, dem perfekte Texte von einer höheren Instanz eingegeben werden. Sonst hat das alles keinen Wert.

Gegen solche Gedanken hilft der National Novel Writing Month. Das Schreiben eines Romans wird zum Spiel, Qualität ausgeklammert. Wort folgt auf Wort, bis am Ende des Monats ein Roman entstanden ist. Jeder kann es tun. Um fünfzigtausend Wörter in einem Monat zu schaffen, muss man regelmäßig und zügig schreiben. Überhöhte Ansprüche werden für einen Monat zurückgestellt.

Und was entsteht bei einem so „anspruchslosen“ Schreibprozess? Wunderbare Ideen, die ohne stures Weiterschreiben nie geboren worden wären. Ich muss Pläne über den Haufen werfen und die Kontrolle aufgeben. Das Ergebnis sind überraschende Wendungen und widerspenstige, komplexe Figuren. Bestimmt kein fertiger, perfekter Text, aber das Herz und die Seele eines Romans. Am Ende des Monats November habe ich dreißig Tage im Universum meiner Kreativität verbracht und bin erschöpft, aber glücklich. Es ist eine Expedition in ein fremdes, inneres Land, die mich verändert. In mir schlummern meine Novemberromane, so lebendig, als hätte ich weite Reisen gemacht und faszinierende Menschen kennengelernt. Das ist ein Schatz, der mich bereichert. Ich wachse mit jedem November als Autorin und als Mensch. Ich freue mich auf den November 2015 und lade alle ein, mit auf die Reise zu kommen!

blattkleinInformationen zum National Novel Writing Month gibt es unter: http://www.nanowrimo.org.

Nina Bodenlosz wohnt in Berlin-Neukölln. Sie schreibt Romane, Erzählungen und kurze Texte, die sie im Bodenlosz-Archiv in die Welt fliegen lässt.

Als Poosie mir Europa zeigte

Jetzt steht er online, mein Gastbeitrag im Rahmen der Blogwichtelaktion des Texttreffs: „Als Poosie mir Europa zeigte“. Es geht um ein Kinderbuch aus den 1950er-Jahren, in dem eine kleine Amerikanerin Europas Sprachen, Länder, Währungen und Fortbewegungsmittel entdeckt und das die Lust aufs Reisen in mir weckte.
Bitte hier entlang in Annette Lindstädts rumreiserei.

Gags schreiben – aber wie?

Im Texttreff wird wieder gewichtelt. Jede Bloggerin schreibt einen Beitrag für ein Blog und bekommt von einer anderen Bloggerin einen zurück. Dieses Jahr wurde mein Blog von der fernsehfreundin aus Hamburg bewichtelt, bei der nichts ohne TV geht: Ihr Herz schlägt für neue Serien und Shows. Seit vier Jahren bloggt sie über ihre Beobachtungen zwischen Tatort und Tor des Monats.
In ihrem Gastbeitrag berichtet sie, wie sie zur Gagschreiberin wurde und wie ihre Gags entstehen.

Komisch, komisch: Gags schreiben – aber wie?

„Hallo zusammen, hier sind wieder die Themen der Woche.“ Ich überfliege die E-Mail und erstarre. DAS sollen die neuen Themen sein? Dazu soll mir etwas Lustiges einfallen? Es ist der Moment, in dem ich gern jemanden an den Schultern packen und „Vergiss es!“ rufen würde. Nie im Leben werde ich dazu Ideen haben! Ich werfe auf der Stelle die Brocken hin! Lieber grabe ich den Garten um – und das, obwohl ich nicht einmal einen habe. Ich fluche vor mich hin wie Rumpelstilzchen.

Herzlich willkommen im ganz normalen Wahnsinn des satirischen Schreibens. Denn so geht es mir seit ein paar Wochen jeden Montag: seit ich Teil des Autorenpools einer TV-Satire-Show bin. Welche das ist, soll jetzt keine Rolle spielen. Wie bin ich da hineingeraten? Ausprobieren wollte ich es schon lange. Aber ich hatte keine Ahnung, wie ich – zumal als Frau – den Fuß in diese Tür kriegen sollte. Comedy-Autoren werden nicht einfach so gesucht. Sie werden gefunden, und die meisten sind männlich.

Doch der Zufall ist manchmal ein netter kleiner Kerl. Eines Tages sah ich auf Twitter eine Ausschreibung für ein Casting: „Autoren gesucht – gern unerfahren.“ Schnell hingemailt! Prompt bekam ich einen Bogen mit zehn Fragen, zu denen ich mir Lustiges ausdenken sollte. Nach einer kurzen Mini-Panik hab ich‘s einfach getan. Zwei Stunden Zeit hatte ich dafür. Neben meiner Schwiegermutter auf dem Sofa sitzend, kicherte ich mich durch die Aufgaben. Hin und wieder warf sie mir einen besorgten Blick zu. Ich schickte das Zeug ab und dachte: Von denen höre ich nie wieder etwas. Falsch gedacht! Zwei Wochen später klingelte das Telefon und man lud mich ein, den Moderator der Show kennenzulernen. Ein sehr kluger und zugleich sehr netter Mensch, übrigens.

Oneliner: Mach’s kurz!
Mittlerweile läuft die Show-Maschine schon eine ganze Weile. Jede Woche montags bekommen alle Autoren aus dem Pool, in dem mindestens zwei Dutzend Texter sitzen, ungefähr fünf Themen aus dem tagesaktuellen Geschehen. Dazu schreiben wir so genannte Oneliner: Gags, die im besten Fall aus nur einem Satz bestehen. Und wer selbst schreibt weiß: kurz zu texten oft das Schwerste. Aber Handwerk und Routine helfen.

Pointen schreiben ist verdammt noch mal harte Arbeit. So wie man sich vor dem Sport aufwärmt, muss man sich erst einmal warm schreiben: Masse produzieren – und dann aussortieren. John Vorhaus (http://redroom.com/member/john-vorhaus/blog), Autor des Klassikers „The Comic Toolbox – How to be funny even if you’re not“ empfiehlt, für einen guten Gag zehn Gags zu schreiben. Neunmal verliert man, einmal gewinnt man. Also ran und einfach machen. Ich schnappe mir das erste Thema und spiele damit erst einmal herum. Nehmen wir an, es ginge um den 65. Geburtstag von Prinz Charles. Welche Assoziationen habe ich dazu? Ich schreibe alles, wirklich alles auf, was mir dazu in den Kopf kommt, und sei es noch so skurril und abwegig. Kleidung. Ohren. Hobbies. Mit wem umgibt er sich? Was sagt seine Mutter über ihn? Was ist ansonsten typisch Prinz, typisch englisch? Ich sammele eine Masse von Begriffen.

Auch an die Resteverwertung denken: Kein Gag ist verschenkt
Dann formuliere ich Fragen. Wer kommt alles zu Charles‘ Geburtstag? Wo wird gefeiert? Wer gratuliert ihm wie? Was hat er sich gewünscht? Was auf keinen Fall? Wer schenkt ihm vielleicht sogar nichts? Ist die Queen nicht viel zu geizig für ein Geschenk? Was bekommt er stattdessen? Und schon bin ich mittendrin. Begriffe aus meiner Assoziationswolke ergeben plötzlich skurrile Antworten auf die Fragen. Schenkt ihm die Queen vielleicht eine ganz lieb gemeinte Tüte Fish’n‘Chips vom Vortag? Ich notiere alles, hier kommt nichts weg. Überhaupt ist nichts umsonst geschrieben. Wer weiß, wofür man einen nicht gesendeten Gag eines Tages noch verwenden kann?

Komisch zu schreiben ist auch ein Schreiben gegen die eigene Angst. Den fiesen inneren Kritiker-Drachen zu besiegen ist immer wieder ein wüster Kampf. Und: Die Political Correctness muss leider draußen bleiben. Neulich unterhielt ich mich mit einem Taxifahrer darüber. Ein Iraner, der Literatur studiert hatte und immer mit einem Haufen Büchern im Taxi herumfährt, damit er in den Pausen lesen kann. „Das Komische braucht den Tabubruch“, bemerkte er weise. „Männer schreiben, als würde ihnen die ganze Welt gehören. Schreiben Sie wie ein Mann!“ Er hat ja so Recht. Das brave Mädchen, die gute Erziehung, das Verantwortungsbewusstsein: Das alles kann beim Gagschreiben sehr im Weg stehen. Ebenso die Angst, dass jemand dich nicht lustig genug findet und du dich als langweiliger Spießer blamierst.

Sacken lassen, polieren, raus damit
Nach zwei Stunden Gag-Basteln merke ich: Es kommt nicht mehr viel. Dann lasse ich die Sache ruhen und mache etwas ganz anderes. Während ich die Kinder abhole, überfallen mich oft plötzlich noch mehr Ideen. Ich schreibe alles auf. Und ganz wichtig: Ich schlafe eine Nacht drüber. Oft fällt mir morgens nach dem Aufstehen ein guter Gag aus dem Gehirn. In einer zweiten Runde poliere ich die Pointen nach. Geht es irgendwo noch kürzer? Kann ich es weiter auf die Spitze treiben? Es lohnt sich, noch einmal konzentriert darüber nachzudenken. John Cleese beschreibt in seinem Vortrag über Kreativität (http://youtu.be/ijtQP9nwrQA) sehr schön, dass sie Zeit braucht und man manchmal geneigt ist, sich in die erste Idee zu verlieben. Oft ist aber erst die dritte Fassung die beste.

Und doch muss man irgendwann loslassen. Es gibt eine Deadline, die Sendung muss vorbereitet werden. Die Chefautoren treffen aus allen eingesendeten Gags eine Auswahl, daraus nimmt der Moderator maximal fünf mit in die Sendung. Die Chance, es auch wirklich in die Show zu schaffen, ist klein. Ob es geklappt hat erfährt man erst, wenn die Sendung läuft. Der Moderator setzt zum ersten Gag an. Gänsehaut: Es ist einer von meinen! Das Publikum giggelt. Ich entspanne mich. Nichts ist schwerer als komisch zu schreiben. Und nichts ist schöner, als wenn jemand darüber lacht.

Vielen Dank für diesen amüsanten und aufschlussreichen Beitrag, liebe fernsehfreundin. 🙂

Wörter, Wörtchen — Passwortchaos

TT-Blogwichteln 2012

Hier ist er, der Wichtelbeitrag meiner Netzwerkkollegin Tanja Finke-Schürman. Was sie schreibt, kommt mir sehr bekannt vor, aber lest selbst:

Passwörter sind nicht meine Lieblingswörter

Gestern habe ich es endlich getan: Aufräumen im Passwort-Chaos. Im Laufe von fast 20 Jahren Internetnutzung hatten sich wunderliche Wörter, Wörtchen und Konstruktionen angesammelt, um mir Zugang zu gefühlt 467 verschiedenen Online-Angeboten zu verschaffen.

Es begann ganz harmlos. Am Anfang hießen Passwörter überall noch wie die bevorzugte Kaffeesorte im Büro, wie Kinderbuchhelden oder wie Haustiere. Denn keiner interessierte sich dafür, unseren Code zu knacken, mit dem wir unseren E-Mail-Account am Lehrstuhl sicherten, über den wir langweiliges dienstliches Zeug verschickten. Heute kann man mich allerdings in kürzester Zeit komplett ausrauben, wenn man meine Zugangsdaten zu ebay und amazon kennt. Man könnte mich in wenigen Minuten öffentlich blamieren und meine Freunde vergraulen, wenn man meine Social-Media-Accounts missbrauchte – falls daran irgendjemand merkwürdigerweise Interesse finden sollte.

Deshalb wurden meine Passwörter im Laufe der Zeit langsam immer sicherer. Gewitzt, wie ich bin, verwendete ich schon bald keine Namen und richtigen Wörter mehr, sondern arbeitete mit Kombinationen und Wortfragmenten. Der Mann mahnte eines Tages: „Du musst ab und zu wechseln!“ Also wechselte ich an jenem Tag – und zwar genau die drei Passwörter, die ich gerade brauchte, während die anderen blieben, wie sie waren. Dann sagte er, einige Jahre später: „Du musst Zahlen verwenden und Sonderzeichen!“ Also fügte ich meinen Lieblingspasswörtern hier und da ein paar Zahlen hinzu und an Tagen, an denen ich besonders große Sorge hatte, auch mal ein hübsches Zusatzzeichen ohne jede Bedeutung.

So sicherte ich jahrelang meine Online-Zugänge vor feindlichen Angriffen – und vor mir selbst! Denn natürlich fand ich mich schon längst nicht mehr zurecht im Zeichensalat. Ich buchte Flüge, Hotels, Autos, Fortbildung und Kulturevents im Internet. Ich kaufte Büromaterial, Weihnachtsgeschenke, Kleidung und sogar Schuhe online. Newsgroups, Foren, Facebook, Cloud-Anwendungen – die Authentifizierungs-Anlässe nahmen exponentiell zu. Täglich stellte ich mir also mehrfach die Frage, ob eins meiner üblichen Passwörter passt oder wenigstens in einer der gängigen Varianten, oder ob vielleicht ein Code aus einer anderen Generation gefragt ist. Manchmal schaute ich dann zuhause auf der gedruckten Liste nach, auf der die wichtigsten aufgeführt waren, einige durchgestrichen, andere handschriftlich zugefügt, aber meist nicht das, was ich gerade brauchte. Manche Accounts sind dort auch doppelt aufgeführt, mit unterschiedlichen Schlüsseln.

Vielleicht bin ich bei dem aktuellen Online-Händler aber noch gar nicht angemeldet? Also noch mal neu registrieren. Unter der E-Mail-Adresse ist schon jemand registriert? Egal, dann nehme ich eine andere. Klasse. Klappt. Passwort? Das Übliche. Damit ich es nicht vergesse. Usw. Auf diese Weise habe ich bei einem Tierfutteranbieter schon drei Mal den Willkommensrabatt bekommen. Viele Anbieter haben Mitleid mit mir und zeigen mir schnell, wo ich klicken muss, wenn ich mal wieder ratlos vor ihrer Tür stehe. In diesen Fällen bekommt man eine E-Mail mit einem neuen Passwort, falls man noch weiß, mit welcher Adresse man sich angemeldet hat. Manche bieten eine Sicherheitsabfrage. „Mädchenname der Mutter“ oder „Farbe des ersten Autos“. Da ist es gut, wenn man nur bei Online-Schlüsseln ein Gedächtnisproblem hat.

Meine Schwester sagt seit Jahren: „Du brauchst ein System!“ Diese Woche war ich reif. Nachdem ich unterwegs daran scheiterte, eine App für mein I-Phone zu aktualisieren, weil mir zwar der vorige, aber nicht der aktuelle Zugangscode einfiel, schämte ich mich und begann aufzuräumen.

Natürlich ließ ich mich beraten. Der Mann sagte: „Die Cloud ist die Antwort. Keepass ist toll. Ein bisschen kompliziert am Anfang, aber es ist klasse. Dann brauchst Du nur noch ein Masterpasswort.“ Ja. Aber das würde ich garantiert sofort vergessen und dann stelle ich mir auch noch vor, wie alle meine vergessenen Passwörter da draußen für jeden zugänglich über uns schweben, außer für mich natürlich. Jemand anders sagte: Du musst Sätze in Anfangsbuchstaben übersetzen wie „IhPudvisi“ (Ich hasse Passwörter und daher vergesse ich sie immer). Leider kommt man mit „Ich hasse Passwörter und daher kann ich sie mir nicht merken“ dann nicht mehr zu neuen Pumps bei Zalando. Außerdem müsste ich dann ja für jede Anwendung einen neuen Satz haben.

Jetzt würde ich gern schließen mit einem schönen Satz wie: „Passwörter sind gar keine Wörter, sondern Codes. Man muss sie gar nicht mögen.“Aber ich bin noch die Auflösung schuldig. Mein System. Natürlich kann ich es hier nicht verraten. Aber es gibt Zahlen. Und kleine und große Buchstaben. Und Sonderzeichen. Und ein Prinzip, nach dem ich das alles je nach Anwendung passend zusammenbauen kann. Und eine Liste in der Schreibtischschublade und eine in „der Cloud“. Und natürlich ist die Dokumentation nur für den verständlich, der den Bauplan kennt. Stolz kann ich nun verkünden, dass es funktioniert und ich mich auf mein neues zugangsberechtigtes Leben freue. Jedenfalls solange ich an meiner Volltastatur auf dem Schreibtisch sitze. Auf meinen Mobilgeräten macht es mich jetzt schon wahnsinnig, jedes Mal mehrfach die Tastatur umzuschalten, um auf klein p einen Doppelpunkt und dann eine 5 und schließlich ein großes Z zu tippen. Wahrscheinlich werde ich nach Weihnachten wieder alles umstellen und für alles einfach qwertz nehmen. Da kommt doch keiner drauf?

Polizeiprosa

TT-BlogwichtelnDas textschliff-Blog wurde bewichtelt: Meine Netzwerkkollegin Sabine Drasnin hat einen Gastbeitrag geschrieben über die Welt der Polizeiberichte, in der ganz eigene sprachliche Regeln herrschen und nicht Salz-, sondern Kommastreuer benutzt werden.

Da erkläre ich den Kindern mit viel Geduld die Regeln der Kommasetzung im Deutschen. Und dann muss ich so etwas lesen:

„Am Montagabend des 05.12.2011, gegen 18.10 Uhr, befuhr ein 32-jähriger Mann aus G., mit seinem schwarzen PKW, die innerstädtische D.-Straße im Ortsteil L., vom K.-A.-Platz kommend, in Fahrtrichtung B.-Weg. An der dortigen Kreuzung missachtete er das dort aufgestellte STOP-Zeichen und auch die Vorfahrt eines 50-Jährigen, der mit seinem dunkelgrauen PKW den vorfahrtberechtigten B.-Weg, aus Richtung A. kommend, in Fahrtrichtung Kreisverkehr B. befuhr und eine Kollision mit dem BMW nicht mehr verhindern konnte.“ (Zur Beruhigung: Es gab zwar hohen Sachschaden, aber zum Glück nur einen Leichtverletzten).

Ich lese jede Woche für eine Redaktion die Polizeiberichte aus unserem Kreis und staune immer wieder über die Polizeiprosa. Sie ist stets mit reichlich Kommas gespickt. Haben die so ein komisches Textbausteinprogramm? Fakt, Komma, Fakt, Komma. Bei vielen Fakten gibt es dann auch viele Kommas. Oder nehmen die Polizeiberichtsschreiber, wenn der Text fertig ist, einen Kommastreuer und schütteln den kräftig über dem Text? Vielleicht gibt es ja auch so ein Kommastreuprogramm??

Beruhigend jedenfalls, dass die Polizei auch Humor hat: Viele Berichte sind mit Augenzwinkern geschrieben, z.B. dieser:

„Vor der Bäckerei „entführt“!

25.10.2011 | V.-Mitte

Schon am frühen Donnerstagabend des 20.10.2011 kam es auf offener Straße, vor einer Bäckerei an der H.-Straße in V.-Mitte zu einer dreisten „Entführung“! Da die seit der Tat laufenden polizeilichen Maßnahmen aber trotz guter Ermittlungsansätze bis heute noch nicht zur Auffindung des „Opfers“ führten, von dem zu Fahndungszwecken inzwischen ein Foto vorliegt, wendet sich die Polizei heute mit Sachverhalt und Foto an die Öffentlichkeit.

Zur Tatzeit beobachteten Zeugen einen weißen Kastenwagen, der von einem noch unbekannten und bisher nicht näher beschriebenen Fahrer vor der Bäckerei an der H.-Straße gestoppt wurde. Ein männlicher Beifahrer – [hier folgt die ungenaue Beschreibung] – stieg aus dem Fahrzeug und ging direkt zum Eingang der zu dieser Zeit geöffneten Bäckerei. Vor dem Ladenlokal zerrte er das Opfer, welches dort friedlich und wehrlos auf einem Plastikstuhl in der Sonne gesessen hatte, in den wartenden Lieferwagen, der daraufhin mit beiden Tätern und dem Opfer in Richtung K.-Straße davonfuhr. Zeugen der Tat informierten umgehend die örtliche Polizei, welche den flüchtigen weißen Lieferwagen aber trotz sofortiger Fahndungsmaßnahmen im Nahbereich des Tatortes leider nicht mehr antreffen konnte.

Bei dem brutal verschleppten „Entführungsopfer“ von der H.-Straße in V. handelt es sich um ein etwa 150 cm großes, braunes, sehr kräftiges und trotz der schon kühlen Herbstzeit am Tattag unbekleidetes Stofftier. Der Bär, welcher der gleichnamigen Bäckerei an der H.-Straße als Maskottchen diente, ist seit seiner „Entführung“ spurlos verschwunden. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet, die polizeilichen Fahndungs- und Ermittlungsmaßnahmen dazu, insbesondere aber zum aktuellen Aufenthaltsort des vollkommen wehrlosen „Entführungsopfers“, dauern an. Hierbei helfen könnte die Aussage eines vorbildlichen Zeugen, der das amtliche Fahrzeugkennzeichen des weißen Kastenwagens aus dem Kreis [XY] ablesen und der Polizei vollständig übermitteln konnte. Hierzu wird gezielt ermittelt.

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So sieht das „Opfer“ aus (Foto vom Zwillingsbruder)

Bisher liegen der Polizei aber noch keine konkreten Hinweise zur Identität der beiden Fahrzeugbenutzer und Entführer oder zum Verbleib des in der Nachbarschaft bekannten und beliebten „Opfers“ vor. Weitere sachdienliche Hinweise …“

Nachtrag: Der Bär wurde inzwischen wieder zurück gebracht :-), Polizeikommentar dazu: „Gestohlenen Bär zurückgebracht! Öffentlicher Fahndungsdruck zeigte Erfolg.“

So ein Happy End wünscht man sich öfter!