Archiv der Kategorie: Knapp vorbei …

Wortverdreher und fast richtig Gesagtes aus dem alltäglichen Leben

Aus den Tiefen des Phrasen-Baukastens

Im Wartezimmer gesessen, ein Image-Magazin durchgeblättert und auf folgende Aussagen gestoßen:

„Eingebettet in gesundes wirtschaftliches Wachstum bildet die nachhaltige Orientierung von Firma XY eine optimale Basis für verantwortliches Handeln gegenüber der Gesellschaft.“

„Wir kennen die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Kunden sehr genau. Eine bestmögliche Voraussetzung, sich gemeinsam den ständig weiterentwickelnden Märkten anzupassen und durch neue, innovative Produkte Impulse zu generieren.“

Da hat jemand tief in den Phrasen-Baukasten gegriffen und die Klötzchen irgendwie zusammengesetzt. Ich jedenfalls verstehe nicht, was der Autor oder die Autorin uns damit sagen will.

Niedersachen

Heute beim Lektorat eines Firmentextes gefunden: „Wir haben Erfolg in Niedersachen.“

Was sind denn bloß Niedersachen? Kleinigkeiten? Geringwertige Sachen? Niedrige Dinge? Oder niedere Dinge?
Hmmm … denk, grübel … ah, jetzt ist es klar: Niedersach*s*en. Das Bundesland.
Habe ich nicht letztens gelesen, dass deren Slogan „Immer eine gute Idee“ lautet? Ich schaue nach. Stimmt.

Dieser Slogan passt auch fürs Lektorat: Wenn man bei einem Wort ins Grübeln kommt, ist es immer eine gute Idee, nach fehlenden oder falschen Buchstaben zu suchen.

 

Vorausschauend fahren

Letztens auf der Autobahn, nein über der Autobahn: ein riesiges Banner. Man muss den Blick heben, um es zu lesen. Darauf steht

Vorausschauend fahren
= Sicherheit

Autobahn

Autobahn

Ich war Gott sei Dank Beifahrerin, denn sonst wäre ich beim Entziffern des komplizierten ersten Wortes garantiert in das Auto vor mir geknallt.

Vorausschauend fahren
= Blick auf der Fahrbahn behalten

Die Sache mit den Klebezetteln

Manchmal wachsen sich Kleinigkeiten zu wochenumfassenden Problemen aus. So zum Beispiel die Sache mit den schmalen Post-its.

Ich hatte einen ganzen Satz davon in der Schublade. Irgendwann entdeckte ich, dass sie perfekt in die Tagesbalken meines großen Wandkalenders passen. Da sich bei meinen Kunden oft Termine verschieben, habe ich es aufgegeben, Projekte direkt in den Kalender einzutragen. Stattdessen schreibe ich das Stichwort auf ein Post-it und klebe es auf den jeweiligen Termin. Sobald sich etwas ändert, klebe ich das Zettelchen einfach um.

Klebezettel
Jahrelang bappte ich eins nach dem anderen auf die Kalender, bis sie fast aufgebraucht waren und ich mir einen neuen Satz kaufen musste. Dummerweise merkte ich erst beim Gebrauch, dass die neuen breiter waren als die alten Zettelchen. Sie bedeckten immer einen guten Teil des vorherigen oder nachfolgenden Datums. Post-its auf zwei, drei oder gar vier aufeinanderfolgende Tage kleben? Sah nicht schön aus und war im Umklebefalle mit viel Fummelarbeit verbunden.
Wie gut, dass ich im Homeoffice arbeite, denn so konnte mich niemand dabei beobachten, wie ich mit der Schere die Zettelchen so zurechtschnippelte, dass sie genau ins Kästchen passten. Es war mir ja fast vor mir selbst peinlich …

Also klapperte ich sämtliche Schreibwarenläden der Umgebung ab, doch überall gab es nur die breite Variante. Nach mehreren Wochen kam ich auf die Idee, eins der letzten passenden Zettelchen mit dem Lineal auszumessen und im Internet danach zu suchen. Im Internet. Nach kleinen, schmalen Post-its … Wie tief kann man eigentlich sinken?

Beim Internetversandhaus No. 1 hatte ich Erfolg. Es gab sie! Und sie waren vorrätig. Bloß – die Versandkosten waren genauso hoch wie der Preis für ein Set. Ich konnte mich einfach nicht dazu durchringen, über acht Euro für fünf Klebezettelblöckchen auszugeben. Schließlich bookmarkte ich die Seite, wartete wochenlang, bis ich etwas Größeres bestellen musste, und ließ mir die Post-its dann mitschicken.
Da lagen sie nun, die Zettelchen: die orange-, pink-, grün-, gelb- und lilagewordene Erfüllung meiner Büroträume. Endlich konnte ich mich wieder entspannen, konnte Termine aufschreiben und aufkleben, ohne mich lächerlich zu machen.

Zwei Tage später ging ich einkaufen. In dem Supermarkt, in dem ich seit Ewigkeiten einkaufe. In dem  das Regal mit den Büroartikeln immer ganz hinten gestanden hatte. Da, wo ich nie vorbeigegangen war.
Sie hatten umgeräumt. Die Büroartikel waren jetzt ganz vorne. Da, wo ich immer vorbeigehe. Und was hing da prominent auf Augenhöhe? In Orange, Pink, Grün, Gelb und Lila? Na?

Kulinarische Ostsee

Bei unserem letzten Urlaub an der Ostsee haben mich zwei Restaurant-Beschriftungen besonders gefesselt:

 

Hausmannskost

Hausmannskost

Wenn man den Fisch erst nach der Hausmannskost zubereitet – ist er dann immer noch frisch?

 

Hausbackener Blechkuchen

Hausbackener Blechkuchen

Verglichen mit Mode-Torten und Lifestyle-Cupcakes ist Blechkuchen tatsächlich eher hausbacken. 🙂

Das Internat hat viele Seiten

Gleich zwei Schmankerln sind mir heute beim Lektorieren begegnet:

Das erste:

„Weitere Informationen finden Sie auf unserer Internatseite.“

Ja, manchmal kommt einem das Internet wirklich wie ein riesiges Internat voller ausgeflippter junger Leute vor.

Das zweite:

„Da fragt man am besten die Industrie- und Handlungskammer.“

Wenn ich das nächste Mal so richtig phlegmatisch bin, wende ich mich an die Handlungskammer.

Verbrecherschutz

So lautete die Headline auf S. 14 eines Magazins, das ich heute Morgen lektorierte. Na, so was, dachte ich mir, nun sollen Verbrecher auch noch geschützt werden?

Doch dann las ich weiter und merkte schnell, dass das Thema des Artikels ein ganz anderes war: Verbraucherschutz.

Da sieht man mal wieder, was zwei Buchstaben ausmachen können.