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Blogger schenken Lesefreude – Das Buch des Vaters

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Dieses Jahr nehme ich wieder an der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ teil. (Diesmal pünktlich) zum Welttag des Buches verlose ich „Das Buch des Vaters“ von Urs Widmer:
„Er liebt alles, was lebt: Freunde, Frauen, Feste. Am meisten aber die Bücher. Das Buch des Vaters ist die Aufzeichnung eines leidenschaftlichen Lebens, von der Liebe zur Literatur bestimmt (…)“

Wer den Roman des kürzlich verstorbenen Schweizer Autoren gewinnen möchte, braucht nur bis zum 4. Mai einen Kommentar zu schreiben und folgende Frage zu beantworten: Welches Buch lieben Sie momentan am meisten?
Unter allen Kommentaren werde ich dann die Gewinnerin oder den Gewinner auslosen. Ich wünsche allen viel Erfolg und immer wieder Lesefreude!

Urs Widmer schenkt Lesefreude

Vorgestern ist Urs Widmer gestorben, einer der großen deutschsprachigen Autoren. Zum ersten Mal in Berührung gekommen bin ich mit ihm während meines Germanistikstudiums, wir lasen „Der blaue Siphon“, eine märchenhafte Erzählung, in der der Erzähler in seine Vergangenheit reist.
Einige Jahre später habe ich Herrn Widmer dann sogar persönlich kennengelernt – während meiner Zeit im Lektorat des Diogenes Verlags. Ein reizender, höflicher und gänzlich uneitler Mensch, mit dem es angenehm war zu kommunizieren.
Sein Tod macht mich traurig, doch ist es Zufall, dass ich mich vor Wochen bei der Anmeldung zur diesjährigen Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ für eines seiner Bücher entschieden habe?
Am 23. April ist wieder Welttag des Buches, und im Rahmen der Blogger-Aktion verlose ich seinen Roman „Das Buch des Vaters“. Wie schön, dass dadurch vielleicht jemand die Gelegenheit erhält, sein Werk kennenzulernen.
Hiermit lade ich euch alle herzlich ein, ab dem 23. April im textschliff-Blog vorbeizuschauen und zu kommentieren.

Wer wissen möchte, welche Blogs teilnehmen und welche Bücher es zu gewinnen gibt, klicke hier. (Mein Eintrag ist die Nr. 143.)

Meine Stadt von A bis Z – Berlin

Ich liebe Buchstaben, und ich liebe die Stadt, in der ich lebe. Da kommt die Blogparade von Birgit Ebbert gerade richtig: Meine Stadt von A bis Z.
Voilà, hier ist mein höchstpersönliches Berlin-ABC:

A wie anstehen für Berlinale-Karten
B wie BVG
C wie Chamäleon-Varieté
D wie Doppeldeckerbus fahren
E wie echt kalte Winter
F wie Fahrrad fahren
G wie Gendarmenmarkt
H wie Humboldthain
I wie Invalidenfriedhof
J wie Jüdisches Museum
K wie Kiezkantine
L wie Losbude im Tierpark Friedrichsfelde
M wie Möhrenkuchen in der Tortenwerkstatt
N wie Nordbahnhof
O wie Oderberger Straße
P wie Prenzlkasper
Q wie Quarkkeulchen im Strandbad Müggelsee
R wie Rummelsburger Bucht
S wie S-Bahn fahren
T wie Tram fahren
U wie U-Bahn fahren
V wie Veteranenstraße
W wie wohnen im wilden Wedding
X wie X-Berg
Y wie Straße Y*
Z wie Zeiss-Großplanetarium

* Da ich kein Yoga mache, musste ich hier schummeln: Die Straße Y kenne ich nur aus dem Stadtplan.

Schlusslektorat, das unbekannte Wesen

„Bitte nur noch mal drüberschauen, da dürfte nicht mehr viel zu finden sein.“
Diesen Satz höre ich regelmäßig. Über mein Gesicht huscht dann meist ein wissendes Lächeln. 🙂
Klar, aus Sicht meiner Kunden kann ich das verstehen. Sie haben die Texte zwei-, drei-, zigmal gelesen. Die Grafik hat das Ganze gesetzt, es wurde noch mal gelesen – sieht alles gut aus. Nun noch rasch ins Lektorat, denn vielleicht fehlt das ein oder andere Komma.
Magazine
Doch ein Schlusslektorat besteht aus mehr, als Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik zu prüfen. Wenn ich das gelayoutete Kunden-, Mitglieder oder Mitarbeitermagazin, den Flyer oder die Broschüre ins Lektorat bekomme, sind das in der Regel meine Arbeitsschritte:

    1. PDF ausdrucken, denn auf Papier sieht man mehr als am Bildschirm.
    2. Inhaltsverzeichnis abgleichen: Stimmen die Seitenzahlen? Sind die Überschriften identisch oder gibt es Abweichungen bei der Wortwahl?
    3. Texte lesen. Konzentriert und langsam, Buchstabe für Buchstabe. Denn das Auge erfasst Wörter als Bilder und sieht, was da eigentlich stehen sollte, überliest dabei aber den Vertipplser.
      Beim konzentrierten, ruhigen Lesen sehe ich auch, ob die Wortabstände stimmen oder irgendwo ein Leerzeichen zu viel oder zu wenig sitzt. Mir fällt auf, wenn der erste Buchstabe in einer Zeile nicht ganz bündig gesetzt ist, ich achte darauf, dass Gedankenstriche (in Fachkreisen Halbgeviertstrich genannt) nicht mit Bindestrichen verwechselt werden und umgekehrt. Anführungszeichen können tückisch sein. Im Deutschen sehen sie so aus: „“. Unten zwei kleine Neunen (99), oben zwei kleine Sechsen (66). Beim schnellen Drüberlesen merkt man eher nicht, wenn die Häkchen in die falsche Richtung zeigen. Wörtliche Rede im Text? Da kommt es auf die Zitierweise an, ob der Punkt vor dem Abführungszeichen gesetzt wird oder danach. Ein paar der vielen Kleinigkeiten, auf die ich achte.
    4. Für Einheitlichkeit sorgen: Oft sind die Texte eines Magazins von unterschiedlichen Autoren geschrieben worden. Ebenso unterschiedlich sind dann auch oft die Schreibweisen. Die einen schreiben „so dass“, die anderen „sodass“. Einmal steht da „aufsehenerregend“, dann erscheint zehn Seiten weiter ein „Aufsehen erregend“. Es gibt solche, die schreiben „Schadenersatz“, und solche, die „Schadensersatz“ schreiben. So etwas fällt mir auf. Oder auch, dass eine Telefonnummer auf Seite 8 ohne Leerschritte gesetzt ist, im Impressum aber in Dreierblöcken und dafür mit Ländervorwahl.aufsehenerregend
      In der Regel korrigiere ich nach Duden-Empfehlung. Wenn man das bei allen Texten konsequent macht, hat man es einheitlich. Es sei denn, der Kunde möchte andere Schreibweisen. Dann sollten aber auch diese einheitlich gebraucht werden.
      Ebenfalls gerne uneinheitlich sind Aufzählungen im Text. Mal werden sie mit Spiegelstrichen hervorgehoben, mal mit Bulletpoints, mal mit Satzzeichen voneinander abgetrennt, mal wird nur ein Punkt ans Ende der letzten Zeile gehängt, mal nicht. Und wie ist das jeweils erste Wort in den Zeilen geschrieben? Klein oder groß? Aufzählungen haben immenses Vereinheitlichungspotenzial. Ebenso wie die Schreibweise von Zahlen (1.000 oder 1000 mit kl. Festabstand zwischen der Eins und der Null), von Währungsbezeichnungen und Abkürzungen (€ oder EUR, Mbit oder MBit). All die Stolperfallen, die in Texten verborgen sein können, aufzuschreiben, würde Seiten füllen. Je nach Projekt tauchen mal die einen, mal die anderen auf. Wichtig ist, ein Auge dafür zu haben.
    5. Mitdenken. Wenn am Ende eines Textes steht: „Die Auflösung finden Sie im Impressum“, dann schaue ich im Impressum nach, ob sie auch wirklich da steht. Wenn der Geschäftsführer Günter Meiermüller in der Bildunterschrift an zweiter Stelle genannt wird, aber die zweite Person auf dem Bild eine Frau ist, dann merke ich das an. Wenn in einer Mitarbeiterzeitschrift der Name Andre auch bei verschiedenen Mitarbeitern immer ohne Akzent auf dem e geschrieben wird, dann mache ich eine Anmerkung dazu. Grundsätzlich gilt: Lieber eine Sache zu viel angemerkt als eine zu wenig.
    6. Ein Schlusslektorat findet hauptsächlich auf der formalen Ebene statt. Aber wenn ich eine Formulierung lese, die knapp vorbei ist, wenn ein Satz so gar nicht zum Stil des restlichen Textes passt oder extrem holprig ist, dann merke ich das an. Und mache auch Änderungsvorschläge.
    7. Wenn ich fertig bin mit Lesen und alle Anmerkungen ins PDF eingearbeitet sind, dann schlafe ich mindestens eine Nacht drüber und lese das Ganze noch einmal. Beim zweiten Durchgang fallen einem immer noch Sachen auf, die man beim ersten nicht gesehen hat. Denn man wird immer schlauer, je mehr man von einem Text liest – und zwar gründlich, nicht nur mal eben schnell drüber.

 

 

 

Niedersachen

Heute beim Lektorat eines Firmentextes gefunden: „Wir haben Erfolg in Niedersachen.“

Was sind denn bloß Niedersachen? Kleinigkeiten? Geringwertige Sachen? Niedrige Dinge? Oder niedere Dinge?
Hmmm … denk, grübel … ah, jetzt ist es klar: Niedersach*s*en. Das Bundesland.
Habe ich nicht letztens gelesen, dass deren Slogan „Immer eine gute Idee“ lautet? Ich schaue nach. Stimmt.

Dieser Slogan passt auch fürs Lektorat: Wenn man bei einem Wort ins Grübeln kommt, ist es immer eine gute Idee, nach fehlenden oder falschen Buchstaben zu suchen.

 

100 Wörter – unzählige Geschichten

Beim heutigen Büro-Ausmisten habe ich eine Liste gefunden: die 100 Wörter des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich hatte ich sie aufbewahrt, um sie mithilfe der Mnemo-Technik auswendig zu lernen (als Übung). Habe ich aber nie gemacht. Stattdessen die Liste ins Mnemo-Technik-Übungsbuch gesteckt und vergessen 😉
Als ich die Wörter aber heute wieder gelesen habe, ging in meinem Kopf ein Feuerwerk los – Erinnerungen aus der Jugend, Erzählungen von Eltern und Großeltern, Bilder aus alten Wochenschauen, den Fernsehnachrichten oder der Zeitung:

Aids, Antibiotikum, Apartheid, Atombombe, Autobahn, Automatisierung
Beat, Beton, Bikini, Blockwart, Bolschewismus
Camping, Comics, Computer
Demokratisierung, Demonstration, Demoskopie, Deportation, Design, Doping, Dritte Welt
Eiserner Vorhang, Emanzipation, Energiekrise, Entsorgung
Faschismus, Fernsehen, Film, Fließband, Flugzeug, Freizeit, Führer, Friedensbewegung, Fundamentalismus
Gen, Globalisierung
Holocaust
Image, Inflation, Information
Jeans, Jugendstil
Kalter Krieg, Kaugummi, Klimakatastrophe, Kommunikation, Konzentrationslager, Kreditkarte, Kugelschreiber
Luftkrieg
Mafia, Manipulation, Massenmedien, Molotow-Cocktail, Mondlandung
Oktoberrevolution
Panzer, Perestroika, Pille, Planwirtschaft, Pop, Psychoanalyse
Radar, Radio, Reißverschluss, Relativitätstheorie, Rock’n’Roll
Satellit, Säuberung, Schauprozess, Schreibtischtäter, Schwarzarbeit, Schwarzer Freitag, schwul, Selbstverwirklichung, Sex, Soziale Marktwirtschaft, Single, Sport, Sputnik, Star, Stau, Sterbehilfe, Stress
Terrorismus
U-Boot
Umweltschutz, Urknall
Verdrängung, Vitamin, Völkerbund, Völkermord, Volkswagen
Währungsreform, Weltkrieg, Wende, Werbung, Wiedervereinigung, Wolkenkratzer

Wenn ich auch nur das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts mitbekommen habe, so hat doch beinahe jedes Wort eine persönliche Bedeutung für mich. Und hinter jedem steckt mehr als eine Geschichte.

Als Poosie mir Europa zeigte

Jetzt steht er online, mein Gastbeitrag im Rahmen der Blogwichtelaktion des Texttreffs: „Als Poosie mir Europa zeigte“. Es geht um ein Kinderbuch aus den 1950er-Jahren, in dem eine kleine Amerikanerin Europas Sprachen, Länder, Währungen und Fortbewegungsmittel entdeckt und das die Lust aufs Reisen in mir weckte.
Bitte hier entlang in Annette Lindstädts rumreiserei.

Vorausschauend fahren

Letztens auf der Autobahn, nein über der Autobahn: ein riesiges Banner. Man muss den Blick heben, um es zu lesen. Darauf steht

Vorausschauend fahren
= Sicherheit

Autobahn

Autobahn

Ich war Gott sei Dank Beifahrerin, denn sonst wäre ich beim Entziffern des komplizierten ersten Wortes garantiert in das Auto vor mir geknallt.

Vorausschauend fahren
= Blick auf der Fahrbahn behalten

Gags schreiben – aber wie?

Im Texttreff wird wieder gewichtelt. Jede Bloggerin schreibt einen Beitrag für ein Blog und bekommt von einer anderen Bloggerin einen zurück. Dieses Jahr wurde mein Blog von der fernsehfreundin aus Hamburg bewichtelt, bei der nichts ohne TV geht: Ihr Herz schlägt für neue Serien und Shows. Seit vier Jahren bloggt sie über ihre Beobachtungen zwischen Tatort und Tor des Monats.
In ihrem Gastbeitrag berichtet sie, wie sie zur Gagschreiberin wurde und wie ihre Gags entstehen.

Komisch, komisch: Gags schreiben – aber wie?

„Hallo zusammen, hier sind wieder die Themen der Woche.“ Ich überfliege die E-Mail und erstarre. DAS sollen die neuen Themen sein? Dazu soll mir etwas Lustiges einfallen? Es ist der Moment, in dem ich gern jemanden an den Schultern packen und „Vergiss es!“ rufen würde. Nie im Leben werde ich dazu Ideen haben! Ich werfe auf der Stelle die Brocken hin! Lieber grabe ich den Garten um – und das, obwohl ich nicht einmal einen habe. Ich fluche vor mich hin wie Rumpelstilzchen.

Herzlich willkommen im ganz normalen Wahnsinn des satirischen Schreibens. Denn so geht es mir seit ein paar Wochen jeden Montag: seit ich Teil des Autorenpools einer TV-Satire-Show bin. Welche das ist, soll jetzt keine Rolle spielen. Wie bin ich da hineingeraten? Ausprobieren wollte ich es schon lange. Aber ich hatte keine Ahnung, wie ich – zumal als Frau – den Fuß in diese Tür kriegen sollte. Comedy-Autoren werden nicht einfach so gesucht. Sie werden gefunden, und die meisten sind männlich.

Doch der Zufall ist manchmal ein netter kleiner Kerl. Eines Tages sah ich auf Twitter eine Ausschreibung für ein Casting: „Autoren gesucht – gern unerfahren.“ Schnell hingemailt! Prompt bekam ich einen Bogen mit zehn Fragen, zu denen ich mir Lustiges ausdenken sollte. Nach einer kurzen Mini-Panik hab ich‘s einfach getan. Zwei Stunden Zeit hatte ich dafür. Neben meiner Schwiegermutter auf dem Sofa sitzend, kicherte ich mich durch die Aufgaben. Hin und wieder warf sie mir einen besorgten Blick zu. Ich schickte das Zeug ab und dachte: Von denen höre ich nie wieder etwas. Falsch gedacht! Zwei Wochen später klingelte das Telefon und man lud mich ein, den Moderator der Show kennenzulernen. Ein sehr kluger und zugleich sehr netter Mensch, übrigens.

Oneliner: Mach’s kurz!
Mittlerweile läuft die Show-Maschine schon eine ganze Weile. Jede Woche montags bekommen alle Autoren aus dem Pool, in dem mindestens zwei Dutzend Texter sitzen, ungefähr fünf Themen aus dem tagesaktuellen Geschehen. Dazu schreiben wir so genannte Oneliner: Gags, die im besten Fall aus nur einem Satz bestehen. Und wer selbst schreibt weiß: kurz zu texten oft das Schwerste. Aber Handwerk und Routine helfen.

Pointen schreiben ist verdammt noch mal harte Arbeit. So wie man sich vor dem Sport aufwärmt, muss man sich erst einmal warm schreiben: Masse produzieren – und dann aussortieren. John Vorhaus (http://redroom.com/member/john-vorhaus/blog), Autor des Klassikers „The Comic Toolbox – How to be funny even if you’re not“ empfiehlt, für einen guten Gag zehn Gags zu schreiben. Neunmal verliert man, einmal gewinnt man. Also ran und einfach machen. Ich schnappe mir das erste Thema und spiele damit erst einmal herum. Nehmen wir an, es ginge um den 65. Geburtstag von Prinz Charles. Welche Assoziationen habe ich dazu? Ich schreibe alles, wirklich alles auf, was mir dazu in den Kopf kommt, und sei es noch so skurril und abwegig. Kleidung. Ohren. Hobbies. Mit wem umgibt er sich? Was sagt seine Mutter über ihn? Was ist ansonsten typisch Prinz, typisch englisch? Ich sammele eine Masse von Begriffen.

Auch an die Resteverwertung denken: Kein Gag ist verschenkt
Dann formuliere ich Fragen. Wer kommt alles zu Charles‘ Geburtstag? Wo wird gefeiert? Wer gratuliert ihm wie? Was hat er sich gewünscht? Was auf keinen Fall? Wer schenkt ihm vielleicht sogar nichts? Ist die Queen nicht viel zu geizig für ein Geschenk? Was bekommt er stattdessen? Und schon bin ich mittendrin. Begriffe aus meiner Assoziationswolke ergeben plötzlich skurrile Antworten auf die Fragen. Schenkt ihm die Queen vielleicht eine ganz lieb gemeinte Tüte Fish’n‘Chips vom Vortag? Ich notiere alles, hier kommt nichts weg. Überhaupt ist nichts umsonst geschrieben. Wer weiß, wofür man einen nicht gesendeten Gag eines Tages noch verwenden kann?

Komisch zu schreiben ist auch ein Schreiben gegen die eigene Angst. Den fiesen inneren Kritiker-Drachen zu besiegen ist immer wieder ein wüster Kampf. Und: Die Political Correctness muss leider draußen bleiben. Neulich unterhielt ich mich mit einem Taxifahrer darüber. Ein Iraner, der Literatur studiert hatte und immer mit einem Haufen Büchern im Taxi herumfährt, damit er in den Pausen lesen kann. „Das Komische braucht den Tabubruch“, bemerkte er weise. „Männer schreiben, als würde ihnen die ganze Welt gehören. Schreiben Sie wie ein Mann!“ Er hat ja so Recht. Das brave Mädchen, die gute Erziehung, das Verantwortungsbewusstsein: Das alles kann beim Gagschreiben sehr im Weg stehen. Ebenso die Angst, dass jemand dich nicht lustig genug findet und du dich als langweiliger Spießer blamierst.

Sacken lassen, polieren, raus damit
Nach zwei Stunden Gag-Basteln merke ich: Es kommt nicht mehr viel. Dann lasse ich die Sache ruhen und mache etwas ganz anderes. Während ich die Kinder abhole, überfallen mich oft plötzlich noch mehr Ideen. Ich schreibe alles auf. Und ganz wichtig: Ich schlafe eine Nacht drüber. Oft fällt mir morgens nach dem Aufstehen ein guter Gag aus dem Gehirn. In einer zweiten Runde poliere ich die Pointen nach. Geht es irgendwo noch kürzer? Kann ich es weiter auf die Spitze treiben? Es lohnt sich, noch einmal konzentriert darüber nachzudenken. John Cleese beschreibt in seinem Vortrag über Kreativität (http://youtu.be/ijtQP9nwrQA) sehr schön, dass sie Zeit braucht und man manchmal geneigt ist, sich in die erste Idee zu verlieben. Oft ist aber erst die dritte Fassung die beste.

Und doch muss man irgendwann loslassen. Es gibt eine Deadline, die Sendung muss vorbereitet werden. Die Chefautoren treffen aus allen eingesendeten Gags eine Auswahl, daraus nimmt der Moderator maximal fünf mit in die Sendung. Die Chance, es auch wirklich in die Show zu schaffen, ist klein. Ob es geklappt hat erfährt man erst, wenn die Sendung läuft. Der Moderator setzt zum ersten Gag an. Gänsehaut: Es ist einer von meinen! Das Publikum giggelt. Ich entspanne mich. Nichts ist schwerer als komisch zu schreiben. Und nichts ist schöner, als wenn jemand darüber lacht.

Vielen Dank für diesen amüsanten und aufschlussreichen Beitrag, liebe fernsehfreundin. 🙂