Polizeiprosa

Dezember 19th, 2011

TT-Blogwichteln

Das textschliff-Blog wurde bewichtelt: Meine Netzwerkkollegin Sabine Drasnin hat einen Gastbeitrag geschrieben über die Welt der Polizeiberichte, in der ganz eigene sprachliche Regeln herrschen und nicht Salz-, sondern Kommastreuer benutzt werden.

 

Polizeiprosa

 

Da erkläre ich den Kindern mit viel Geduld die Regeln der Kommasetzung im Deutschen. Und dann muss ich so etwas lesen:

„Am Montagabend des 05.12.2011, gegen 18.10 Uhr, befuhr ein 32-jähriger Mann aus G., mit seinem schwarzen PKW, die innerstädtische D.-Straße im Ortsteil L., vom K.-A.-Platz kommend, in Fahrtrichtung B.-Weg. An der dortigen Kreuzung missachtete er das dort aufgestellte STOP-Zeichen und auch die Vorfahrt eines 50-Jährigen, der mit seinem dunkelgrauen PKW den vorfahrtberechtigten B.-Weg, aus Richtung A. kommend, in Fahrtrichtung Kreisverkehr B. befuhr und eine Kollision mit dem BMW nicht mehr verhindern konnte.“ (Zur Beruhigung: Es gab zwar hohen Sachschaden, aber zum Glück nur einen Leichtverletzten).

 

Ich lese jede Woche für eine Redaktion die Polizeiberichte aus unserem Kreis und staune immer wieder über die Polizeiprosa. Sie ist stets mit reichlich Kommas gespickt. Haben die so ein komisches Textbausteinprogramm? Fakt, Komma, Fakt, Komma. Bei vielen Fakten gibt es dann auch viele Kommas. Oder nehmen die Polizeiberichtsschreiber, wenn der Text fertig ist, einen Kommastreuer und schütteln den kräftig über dem Text? Vielleicht gibt es ja auch so ein Kommastreuprogramm??

 

Beruhigend jedenfalls, dass die Polizei auch Humor hat: Viele Berichte sind mit Augenzwinkern geschrieben, z.B. dieser:

„Vor der Bäckerei „entführt“!

25.10.2011 | V.-Mitte

Schon am frühen Donnerstagabend des 20.10.2011 kam es auf offener Straße, vor einer Bäckerei an der H.-Straße in V.-Mitte zu einer dreisten „Entführung“! Da die seit der Tat laufenden polizeilichen Maßnahmen aber trotz guter Ermittlungsansätze bis heute noch nicht zur Auffindung des „Opfers“ führten, von dem zu Fahndungszwecken inzwischen ein Foto vorliegt, wendet sich die Polizei heute mit Sachverhalt und Foto an die Öffentlichkeit.

Zur Tatzeit beobachteten Zeugen einen weißen Kastenwagen, der von einem noch unbekannten und bisher nicht näher beschriebenen Fahrer vor der Bäckerei an der H.-Straße gestoppt wurde. Ein männlicher Beifahrer – [hier folgt die ungenaue Beschreibung] – stieg aus dem Fahrzeug und ging direkt zum Eingang der zu dieser Zeit geöffneten Bäckerei. Vor dem Ladenlokal zerrte er das Opfer, welches dort friedlich und wehrlos auf einem Plastikstuhl in der Sonne gesessen hatte, in den wartenden Lieferwagen, der daraufhin mit beiden Tätern und dem Opfer in Richtung K.-Straße davonfuhr. Zeugen der Tat informierten umgehend die örtliche Polizei, welche den flüchtigen weißen Lieferwagen aber trotz sofortiger Fahndungsmaßnahmen im Nahbereich des Tatortes leider nicht mehr antreffen konnte.

Bei dem brutal verschleppten „Entführungsopfer“ von der H.-Straße in V. handelt es sich um ein etwa 150 cm großes, braunes, sehr kräftiges und trotz der schon kühlen Herbstzeit am Tattag unbekleidetes Stofftier. Der Bär, welcher der gleichnamigen Bäckerei an der H.-Straße als Maskottchen diente, ist seit seiner „Entführung“ spurlos verschwunden. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet, die polizeilichen Fahndungs- und Ermittlungsmaßnahmen dazu, insbesondere aber zum aktuellen Aufenthaltsort des vollkommen wehrlosen „Entführungsopfers“, dauern an. Hierbei helfen könnte die Aussage eines vorbildlichen Zeugen, der das amtliche Fahrzeugkennzeichen des weißen Kastenwagens aus dem Kreis [XY] ablesen und der Polizei vollständig übermitteln konnte. Hierzu wird gezielt ermittelt.

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So sieht das Opfer aus (Foto vom Zwillingsbruder)

Bisher liegen der Polizei aber noch keine konkreten Hinweise zur Identität der beiden Fahrzeugbenutzer und Entführer oder zum Verbleib des in der Nachbarschaft bekannten und beliebten „Opfers“ vor. Weitere sachdienliche Hinweise …“

Nachtrag: Der Bär wurde inzwischen wieder zurück gebracht :-) , Polizeikommentar dazu: „Gestohlenen Bär zurückgebracht! Öffentlicher Fahndungsdruck zeigte Erfolg.“  

So ein Happy End wünscht man sich öfter!

 

Blogwichteln im Texttreff

Dezember 5th, 2011

Dezember. Schon nachmittags ist es dunkel, Kerzen leuchten in meinem Fenster, die Tannenzweige des Adventskranzes duften.

Im textschliff-Büro macht sich Weihnachtsstimmung breit. Und im Texttreff, meinem Herz-und-Magen-Netzwerk, ebenfalls: Die bloggenden Textinen* wichteln. Das heißt, sie schreiben einen Gastbeitrag für einen Textinen-Blog und bekommen einen Gastbeitrag von einer anderen Textinen-Bloggerin geschenkt.

Mein Blog wird bereichert von Sabine Drasnin. Ich freue mich schon sehr auf ihren Beitrag, der bis zum 4. Advent hier gepostet wird.

Der Gastbeitrag, der noch in meinem Kopf reift, wird nach Moskau gehen, ins ArchivE, das neue Blog von Katja Tongucer. Hier geht es ums Ablegen, Archivieren und Bewahren von Erinnerungen. Was ich dazu zu schreiben habe, kann man bald dort lesen.

 

*So nennen sich die Mitglieder des Textreffs.

Abgebrannt! Wir helfen.

Juli 14th, 2010

Eigentlich bin ich ja in Elternzeit und lasse textschliff und mein Blog ruhen, aber hierfür mache ich eine Ausnahme:

Carola, eine Kollegin aus meinem Netzwerk Texttreff, und ihre Familie haben vor einigen Tagen eine Katastrophe erlebt: Ein Brand hat ihre Wohnung und damit Lebensgrundlage vernichtet. Nun fehlt es an allem – persönliche Unterstützung, Hausrat, Geld.

Die Frauen des wunderbaren Texttreffs haben sofort reagiert und eine umfassende Hilfsaktion auf die Beine gestellt. Neben tatkräftiger Hilfe vor Ort haben sie quasi über Nacht eine Website erstellt, die über Carolas Situation informiert und auf der verschiedene Spendenmöglichkeiten zu finden sind.

Da ich weit weg von Düsseldorf lebe, kann ich Carola nur mit Geld unterstützen. Und meine Blogleser auf diese Aktion aufmerksam machen.

Bitte spendet etwas, damit Carola und ihre Familie sich ein neues Leben aufbauen können. Auch kleinste Beträge sind willkommen.

Hä?

August 12th, 2009

Wunderbares, unverständliches Fundstück:

„Durch ein Backdrop im Corporate Design der Veranstaltung wird der Empfangsbereich auf Wunsch gebrandet.“

Ich will gar nicht wissen, was das bedeutet.

Qualität der Tageszeitungen in Deutschland

April 22nd, 2009

Diese Umfrage der Protextbewegung finde ich wirklich sinnvoll. Ich habe mich schon beteiligt.

Das Internat hat viele Seiten

März 3rd, 2009

Gleich zwei Schmankerln sind mir heute beim Lektorieren begegnet:

Das erste:

„Weitere Informationen finden Sie auf unserer Internatseite.“

Ja, manchmal kommt einem das Internet wirklich wie ein riesiges Internat voller ausgeflippter junger Leute vor.

Das zweite:

„Da fragt man am besten die Industrie- und Handlungskammer.“

Wenn ich das nächste Mal so richtig phlegmatisch bin, wende ich mich an die Handlungskammer.

Neue Geschichte

Februar 19th, 2009

Meine neueste Express-Geschichte ist ein Kinderkrimi, in dem Erdbeermilch, ein verschwundener Schatz und Schuhgrößen eine wesentliche Rolle spielen.

Ich bin gespannt, wie viele Mädchen und Jungen sich auf die Suche machen und das Rätsel lösen werden.

Wort des Tages

Februar 10th, 2009

In einem Text über Gärten und Parks habe ich gerade dieses schöne Wort entdeckt:

Schneeballblumenbaum

Das klingt nach Winter und Frühling gleichzeitig – und zaubert mir ein sehnsuchtsvolles Lächeln auf die Lippen.

Novemberinspiration

November 7th, 2008

Heute habe ich Blumen geschenkt bekommen – ein kleiner Farbtupfer auf meinem Schreibtisch. Ich muss ihn nur anschauen,

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und schon ist der nebelgraue November vergessen. :-)

Millionenprojekt

Oktober 31st, 2008

Die Texte, die ich schreibe oder lektoriere, sind meist von überschaubarer Länge. Doch ab und zu befinden sie sich auch im siebenstelligen Bereich.

Gerade zum Beispiel habe ich das Millionenprojekt dieses Herbstes fertiggestellt: das Lektorat eines Berichtes von über einer Million Zeichen. Um genau zu sein 1 124 455.

Klingt viel, nicht wahr?

Rechnet man das in Normseiten* um, wird’s empfindlich weniger: 750.

Und sieht man am Ende die Druckseiten, relativiert es sich vollends:  248.

*1 Normseite = 1500 Zeichen inkl. Leerzeichen und Fußnoten